7. Tag – Übernachtung in einer Pferdestallung

Nachdem wir unsere Bäuche gut gefüllt hatten, starteten wir zur heutigen Etappe. Das Wetter zeigte sich von der eher schöneren Seite mit Wolken unterbrochen von blauen Himmelsflecken und die Sonne schien. Einzig der Südostwind blies immer noch stark und unsere Route ging eben genau in diese Richtung. Wie dem auch sei. Vollbeladen und guten Mutes traten wir kraftvoll in die Pedalen. Anders wären wir nicht vom Fleck gekommen. Die ersten ca. 15 km zeigte sich die Landschaft in einem malerischen Bild mit grünen Wiesen, weidenden Pferden und dem mit Wolken behangenen Himmel mit blauen Flecken.

Doch dann war Schluss mit Schönwetter. Am Horizont näherte sich ein graue Wolkenwand und wir konnten noch rasch die Regenkleider anziehen, bevor der Regen einsetzte. Erst war es leichter Nieselregen, doch allmählich fiel mehr Wasser aus den Wolken. Die Sicht in die weiten Felder verschlechterte sich nach und nach. So blieb uns nichts anderes übrig, als mit dem Blick auf die Strasse monoton weiter zu strampeln. Als einzige Unterhaltung flogen ab und zu ein paar Vögel über unseren Köpfen beziehungsweise es schien so, als würden sie in der Luft stehen. Die hatten einen riesigen Spass an dem Wetter. Zu unserem Glück liessen sie keinen Gruss fallen.

Bei km 31 besuchten wir den Seljalandsfoss (Wasserfall). Dort gab es, wie überall heute, keinen Unterstand. Wir nutzten den Windschatten eines Kiosk, um wenigstens windgeschützt etwas essen und trinken zu können. Der Wasserfall hat eine Höhe von 66 m und sieht von unten schon noch imposant aus.

Wir nahmen den nächsten Teil unserer Route in Angriff und entschieden uns beim nächsten Unterstand, die Mittagspause zu machen. Und siehe da es gab so einen. Zwar klein – es verirren sich wohl auch Schafe in diesen – aber wir konnten windgeschützt unsere Mittagessen einnehmen.

Nach weiter abgestempelten Kilometern wollte Silvan in ein Café, dass auf der linken Seite ca. 1 km weg von der Strasse lag. Wie wir ankamen, rannte ein junger Herr aus dem Hause und meldete, dass seit 2 Std. kein elektrischer Strom vorhanden sei und darum keine warmen Sachen verkauft werden können. Wir gingen trotzdem ins Café und begnügten uns mit Fanta und Schokoladenkuchen. Hier werden auch Zimmer vermietet und Silvan meinte, wir könnten hier übernachten. Seine linken Finger waren durch die Kälte und Nässe langsam kraftlos geworden, so dass ihm das Schalten mit dieser Hand schwer fiel. Unsere Frage nach einem freien Zimmer bei der Serviceangestellten hat diese negativ beantworten. Sie seien ausgebucht. Wir konsultierten unsere Unterlagen, denn auf eine Nacht im Zelt war uns nicht zu Mute. Der Anruf bei der Jugendherberge im 17 km entfernten Skógar, an unserem geplanten Zielort, fiel auch negativ aus.

Silvan hat beim Anfahren gesehen, dass nach ca. 500 m auch Betten zu haben sind. Wir fuhren diesen Bauernhof an und siehe da, wir hatten Glück. Wir können im Schlafsack in einem Massenschlag gerade oberhalb einer Reithalle unsere nächste Nacht verbringen. Sanitäre Installationen sind natürlich auch vorhanden. Es hat auch ein Küche, wo wir unser Abendessen kochen können, d.h. wenn wieder Strom da ist.

Das Gut heisst Skálakot, hat 150 Pferde und bietet mit diesen eine Vielzahl von Aktivitäten an. Von der Reitschule bis ein- oder mehrtägigen Reitausflügen in alle möglichen Gebiete Islands ist alles auf dem Programm. Zur Zeit sind einige junge Mädchen und eine Deutsche Familie mit uns hier einquartiert.

Übrigens wir befinden uns am Fusse des seit 2010 bekanntesten Vulkan Islands, dem unaussprechlichem Eyjafjallajökull. Leider können wir ihn aufgrund des Regens nicht sehen. Vielleicht schenkt uns der Wettergott morgen noch einen Blick hinauf zum Gipfel.

Der Strom ist dann wieder zurückgekommen und wir konnten doch noch unser Abendessen zubereiten.

One Response to “7. Tag – Übernachtung in einer Pferdestallung”

  1. Maria Says:

    Na ihr zwei Mutigen. Toll wie immer die Berichte und Bilder. Ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft und Ausdauer auf der Tour. Wir schwitzen in unserem Süden.
    Liebe Grüsse
    Maria und Camillo

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