6. Tag – Der Wind hat gesiegt

Punkt 7 Uhr wurde der Speisesaal für das Frühstück geöffnet. Eine ganze Gruppe Arbeiter, die hier übernachteten, stürmten das Buffet. Wir konnten unser Müesli sowie Brot und Beilagen gemütlich geniessen. Wir machten uns Sandwichs für die Mittagspause bereit. Silvan füllte die Thermosflasche mit heissem Tee. Draussen sah das Wetter alles andere als einladend aus. Es regnete leicht, war kalt und es blies ein starker Wind. Aus welcher Richtung? Natürlich aus der, in die wir fahren mussten.

Von Hálendismiðstöðin Hrauneyjum ging es mit kräftigem Tritt unserem heutigen Ziel entgegen. Bei jedem kleinsten Aufstieg war der Widerstand so gross, dass wir in den kleinsten Gängen, im Schritttempo fahren mussten. Alfons musste schon das Fahrrad schieben. Der Wind war unerbärmlich und machte die Fahrt zur Tortur. Nach einer Stunde hatten wir erst 9 km zurückgelegt. Bis dahin fuhren wir auf Asphalt. Die unbefestigte Strasse hätte in einigen Kilometern begonnen. Alfons hatte genug vom Gegenwind und machte den Vorschlag, die Übung hier abzubrechen und umzukehren. Wir fuhren zurück nach Hálendismiðstöðin Hrauneyjum und erlebten die Wucht des Windes mit der positiven Auswirkung. Wir rasten nur so über die Strasse mit der Spitzengeschwindigkeit von 72.8 km/h. Im Highlandcenter Hrauneyjar machten wir Halt und besprachen das weitere Vorgehen. Die Wetterprognosen sehen für die nächsten Tage ähnlich aus. Wir entschieden uns, nach Hella zu fahren und von dort aus interessante Orte zu besuchen. Wir werden sehen, ob wir per Bus nach Norden kommen, um den Rest der geplanten Route doch noch geniessen zu können.

Nach Hella fuhren wir die Strasse 26 und konnten so ca. 25 km Schotterpiste erleben. Die Fahrbahn besteht aus vulkanischem Schotter. Da auf dieser Strasse viele Offroader unterwegs sind, hat sie die Form eines Wellbleches, das quer zur Fahrrichtung liegt, angenommen. Wir wurden so richtig durchgeschüttelt und unser Material aufs Höchste strapaziert. Bei jedem Vorbeifahren eines Autos zog dieses eine riesige braune Staubwolke hinter sich her und der Wind verfrachtete diese genau auf unsere Seite.

Dafür wurde wir mit einer wunderschönen Vulkanlandschaft beglückt. Wir kamen uns vor wie in einer anderen Welt oder auf dem Mond. Neben der Fahrpiste lagen feinkörnige Lavasteine und immer wieder erhoben sich grössere Steingebilde und dies vor der Kulisse mächtiger freistehender Berge.

Ab dem Moment wo die 26 wieder Asphaltbelag aufwies, änderte sich auch das Landschaftsbild. Es wurde immer grüner und auf den riesigen Feldern weideten vereinzelt Schafe. Auch an grossen Bauernbetriebe mit Pferdezucht sind wir vorbeigefahren. Auf den frisch geernteten Feldern lagen Unmengen weiss verpackter Siloballen.

Bis wir auf die Strasse 1 einbiegen mussten, kamen wir dank Rückenwind zügig voran. Die letzten 7  km der heutigen 103 km Etappe musste wieder härter gearbeitet werden. Wir fuhren diese gegen den Wind.

One Response to “6. Tag – Der Wind hat gesiegt”

  1. Karin Says:

    habe heute von einer Isländerin gehört, dass das Wetter schlechter sei. Wenn ihr so gegen den Wind pedalen müsst seid ihr nicht zu beneiden.
    Aber die Landschaft ist super toll.
    Ich wünsche euch weiterhin eine gute Reise.

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