Archive for August, 2013

11. Tag – Vom niedlichen Guesthouse in die Jugendherberge

Dienstag, August 13th, 2013

Das Guesthouse am Goðafoss war eine Trouvaille mit einem kleinen abgeschrägten Zimmer und direktem Blick auf den Fluss mit dem Wasserfall. Das Abendessen war lecker und das gebotene sehr preiswert.

Die heutige Etappe führte uns nach Akureyri. Die Strecke führte an Flüssen und Seen entlang. Dabei mussten wir einen Übergang von 350 m.ü.M. bewältigen. Dies verlangte, vor allem von Alfons, einiges ab. Ja, das ist der Preis, wenn das Fahrrad mit Gepäck fast gleich schwer ist wie der Fahrer. Als Lohn genossen wir die lange und zügige Abfahrt.

Am Mittag trafen wir in Akureyri ein und fanden die Jugendherberge, die wir online für eine Nacht gebucht hatten. Da erst um 15 Uhr eingecheckt werden kann, spazierten wir durch das idyllische Städtchen. Es ist ein eigenartiges Gefühl wieder einmal mehrere Häuser, Einkaufsmöglichkeiten, Kirchen usw. in grösserer Menge beieinander zu haben. Eine Kirche steht mit ihren beiden Türmen sehr markant über der Stadt. Wir stiegen eine lange Treppe hoch, um zu ihr zu gelangen. Doch war diese heute geschlossen. Heute wird die Orgel neu gestimmt. Die Stadt hat ca. 17’000 Einwohner und ist damit die grösste Stadt ausserhalb des Ballungsgebietes von Reykjavík. Akureyri hat einen Flugplatz und ist an einem Berghang situiert.

Wir schlenderten unter anderem auch durch den botanischen Garten der sehr schön angelegt ist. Auf dem Rückweg zur Jugi besorgten wir uns noch Proviant für die kommenden Etappen.

10. Tag – Vulkane und ein heisses Bad

Montag, August 12th, 2013

Heute liessen wir uns zum Frühstück so richtig verwöhnen. Wir genossen das ausgiebige Buffet. Als wir uns im Zimmer für die Abreise bereit machten, ging ein Feueralarm los. Es dauerte eine Weile bis die schrille Glocke wieder still war. Was der Grund ist wissen wir nicht. Doch hatte der Vorfall einen Einfluss auf die Zahlungserfassung mittels Kreditkarte. Beim Auschecken konnten wir die Rechnung nicht direkt begleichen. Wir mussten die nötigen Angaben hinterlassen. Die Verbuchung erfolgt später.

Wir starteten bei super Wetter. Der Himmel war stahlblau, die Sonne schien und der Wind blies nur mässig. Als erstes peilten wir Hverfell an, der als riesiger schwarzer Geröllhaufen mitten in der Landschaft steht. Dort angekommen, bestiegen wir diesen Berg und wurden von einem herrlichen Blick in den Krater sowie in die Ferne belohnt. Der Krater hat einen Durchmesser von ca. 1000 m. Wir liefen auf der Kraterkante bis zum höchsten Punkt und machten unsere Fotos. Von dort sahen wir auch, dass zwei Wege als Abkürzung zu unserem nächsten Ziel führen. Als Alternative hätten wir einen rechten Umweg in Kauf nehmen müssen. Wir entschlossen uns, auf dem Wanderweg weiter zu gehen. Es war ein heikles Unterfangen. Der Boden bestand aus Lavasand und immer wieder verengte sich der Weg mit kantigen Steinen. Doch wir schafften – Alfons mit einem Sturz und je einer Wunde am Finger und am Knie – die 1.8 km.

Die nächste Attraktion war die Grjótagjá, zu Deutsch eine Felsspalte. Hier treffen die beiden Kontinetalplatten von Amerika und Europa aufeinander. Darunter hat sich eine Höhle gebildet, die warmes Wasser (ca. 45°C) enthält. Durch das Sonnenlicht, welches durch die Felsspalten dringt, ergibt sich ein wunderbares Bild. Gebadet werden darf hier nicht und man dürfte auch die Höhle nicht betreten, da Einsturzgefahr herrscht. Silvan tat es trotzdem und versuchte die Stimmung mit der Kamera festzuhalten.

Als nächstes peilten wir Mývatn Nature Baths an. Dort liessen wir usn im heissen Wasser wohl ergehen. Das Wasser hat eine hellblaue Färbung und ist trüb wie Milch. Es fühlte sich zudem schmierig an und roch ein bisschen nach Schwefel.

Um die Mittagszeit starteten wir für den Rest der heutigen Etappe. Wir fuhren im Gegenuhrzeigersinn um den Mývatn. Kamen durch abwechslungsreiche Gegenden, geprägt von viel Wasser in Form von Seen und ganz klaren, reissenden Flüssen. Es galt dann noch einen Hügelzug zu überqueren. Beim ersten Aufstieg wurden wir beide von den Mücken so richtig eingenebelt. Es machte Mühe konzentriert zu fahren, richtig zu atmen und dabei kein solches Insekt zu verschlucken.

Der Lohn für das hinauf strampeln folgte sogleich in einer schönen Abfahrt. Dies sollte aber nicht der letzte Hügel für heute sein. Kurz darauf bogen wir links ab und sahen den Aufstieg direkt vor uns. Wir durften den nächsten Hügel hoch radeln. Zum Glück sind hier die Berge nicht so hoch und steil, wie in der Schweiz. Danach ging es nur noch runter bis zu unserem heutigen Tagesziel. Beim Goðafoss fanden wir im nahegelegenen Guesthouse ein Plätzchen für die Nacht.

9. Tag – Tag auf vier Rädern

Montag, August 12th, 2013

Heute konnten wir den Tag gemütlich starten. Wir assen unser Frühstück in unserem kleinen Hüttchen. Danach warteten wir gespannt auf unser Transportfahrzeug. Der Bus ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen, bot aber zu unserem Glück für 3 Fahrräder Platz. 1 Bike hing schon dort und so konnten unsere Velos am Heck des Buses mitreisen.

Um zehn Uhr startete der Bus in Hella Richtung Norden. Auf den ersten paar Kilometern auf einer uns noch unbekannten Strecke. Danach folgte der Bus der Strasse 26, welche wir bereits vor drei Tagen in die andere Richtung befahren hatten. So fuhren wir auch über die sandige Wellblech-Piste vorbei am Vulkan Hekla. Ob es unsere Fahrräder wohl unbeschadet überstehen würden? Nach knapp einer Stunde Fahrt erreichten wir das Highland Center Hrauneyjar. Dort mussten wir umsteigen. Dabei bekamen wir unsere Fahrräder zu Gesicht. Alles war mit feinstem Sand bedeckt. Wie werden die am Abend nach über neun Stunden Schotterpisten aussehen?

Dieser Bus hatte leider am Heck nur für zwei Fahrräder Platz. Da es immer noch drei waren, musste jenes von Alfons in den Gepäckraum. Mit der Polsterung in Form unserer Taschen sollte dem Velo nichts passieren.

Nun ging die Fahrt los auf der Sprengisandur, welche wir ursprünglich mit dem Velo befahren wollten. Es rüttelte und schüttelte. Wir fuhren über Hügeln auf und ab, entlang von Seen und über Bäche. Die Landschaft veränderte sich langsam von braun zu schwarz. Zu sehen war praktisch nur Sand mit vereinzelten Steinen darin. Manchmal schlängelte sich ein Gletscherfluss über die Ebene und die „Strasse“. Weit in der Ferne konnten wir Berge und Gletscher sehen. So ging es etwa drei Stunden, bis wir in Nýidalur einen längeren Halt machten. Hier steht eine Berghütte, welche von Wanderern rege genutzt wird. Falls es im Haus keinen Platz geben sollte, ist auch ein Campingplatz direkt davor zu finden.

Auf dem weiteren Weg durchquerten wir noch ein paar Flüsse. Die wären auch für uns als Velofahrer zu meistern gewesen, wie auch die Strasse selbst. Es braucht aber viel Durchhaltewillen, um diese Strecke auf dem Fahrrad zu bezwingen. Ansonsten änderte sich vorerst nicht viel an der Umgebung. Später wechselte sich die Farbe der Landschaft in ein braun und schliesslich wurde es wieder grüner. So waren dann auch schon die ersten Schafe zu sehen. Erstaunlicherweise sind sie meist zu dritt unterwegs.

Bei zwei Wasserfällen, dem Aldeyjarfoss und dem Goðafoss, machten wir je eine halbe Stunde Foto-Pause. Dabei waren nebst den Wasserfällen auch die Gesteine darum interessant. Der Basalt ist in hexagonalen Säulen aufgebaut.

Nach insgesamt neuneinhalb Stunden Fahrt erreichten wir Reykjahlíð, welches am nordöstlichen Ufer des Mývatn liegt. Als erstes reinigten wir unsere Fahrräder an der nahegelegenen Tankstelle. Danach gingen wir auf Unterkunft-Suche. Da Alfons nicht auf dem schön gelegenen Campingplatz in einem Zelt übernachten wollte, mussten wir nach einem Guesthouse oder Hotel suchen. Da alle uns bekannten Unterkünfte bereits ausgebucht waren, blieb uns nur noch das Hotel Reykjahlíð.

8. Tag – Vorbei an zwei Wasserfällen

Samstag, August 10th, 2013

Nachdem wir gestern unsere Mahlzeit genossen hatten, wurden alle Tische für ein Abendessen vorbereitet. Die Deutsche Dame hat uns erklärt, dass eine grössere Gruppe nach einer längeren Tour auf den Pferden ihren Abschiedsabend feiern werde. Nach 19 Uhr trafen diese Reiterinnen dann ein. Es waren ca. 20 Frauen und ein Mann der als Guide fungierte. Zuerst nahmen die Damen im Whirlpool draussen vor dem Hause ein Bad und machten sich dann fürs Essen bereit. Als zum Dinner gerufen wurde, zogen wir uns in den Schlafraum zurück und verkrochen in den Schlafsäcken.

Heute morgen waren wir die Ersten welche die Britschen verliessen. Wir machten uns ein Müesli und packten dann unsere sieben Sachen. Nach dem Begleichen der Rechnung ging es dann, bei trockenem Wetter aber mit viel Wolken und Wind, los zum 2. Wasserfall Skógafoss. Auch dieser ist mit seinen 62 m Höhe sehenswert.

Auf dem Rückweg machten wir Halt bei dem Visitor Center, wo der Vulkanausbruch von 2010 sehr gut dokumentiert ist. Durch die Wucht dieses Ausbruchs, mit dem enorm viel Material in die Atmosphäre geschleudert wurde, ist damals ein grosser Teil des Flugverkehrs lahm gelegt worden. Wir schauten uns den eindrücklichen Film über dieses Ereignis an und waren erstaunt über den Durchhaltewillen der betroffenen Isländer. Die ganze Gegend war mit einer dicken Asche- und Steinschicht zugedeckt und am Tage war es stockdunkel. Durch das Schmelzen der Gletscher führten die Flüsse viel Wasser und Geröll mit sich. Diese Murgänge rissen alles mit, was im Wege stand. Heute kann man sich den entstandenen Schaden gar nicht vorstellen. Es ist alles wieder hergerichtet und die Natur hat sich erholt. Das Bild nach dem Zentrum zeigt die damals stark betroffene Gegend.

Beim gestern besuchten Wasserfall machten wir noch einmal Halt. Dort trafen wir einen Bus aus Altdorf und wechselten ein paar Worte mit dem Chauffeur und einem Gast aus Hünenberg. An diesem Wasserfall führt ein Weg dem Felsen entlang hinter die Wassermassen. Diesen haben wir natürlich genommen, um uns das Spektakel nicht nehmen zu lassen.

Wir fuhren anschliessend mit der Unterstützung des Rückenwindes weiter nach Hella. Dort bezogen wir ein kleines Häuschen auf dem Campingplatz.

7. Tag – Übernachtung in einer Pferdestallung

Freitag, August 9th, 2013

Nachdem wir unsere Bäuche gut gefüllt hatten, starteten wir zur heutigen Etappe. Das Wetter zeigte sich von der eher schöneren Seite mit Wolken unterbrochen von blauen Himmelsflecken und die Sonne schien. Einzig der Südostwind blies immer noch stark und unsere Route ging eben genau in diese Richtung. Wie dem auch sei. Vollbeladen und guten Mutes traten wir kraftvoll in die Pedalen. Anders wären wir nicht vom Fleck gekommen. Die ersten ca. 15 km zeigte sich die Landschaft in einem malerischen Bild mit grünen Wiesen, weidenden Pferden und dem mit Wolken behangenen Himmel mit blauen Flecken.

Doch dann war Schluss mit Schönwetter. Am Horizont näherte sich ein graue Wolkenwand und wir konnten noch rasch die Regenkleider anziehen, bevor der Regen einsetzte. Erst war es leichter Nieselregen, doch allmählich fiel mehr Wasser aus den Wolken. Die Sicht in die weiten Felder verschlechterte sich nach und nach. So blieb uns nichts anderes übrig, als mit dem Blick auf die Strasse monoton weiter zu strampeln. Als einzige Unterhaltung flogen ab und zu ein paar Vögel über unseren Köpfen beziehungsweise es schien so, als würden sie in der Luft stehen. Die hatten einen riesigen Spass an dem Wetter. Zu unserem Glück liessen sie keinen Gruss fallen.

Bei km 31 besuchten wir den Seljalandsfoss (Wasserfall). Dort gab es, wie überall heute, keinen Unterstand. Wir nutzten den Windschatten eines Kiosk, um wenigstens windgeschützt etwas essen und trinken zu können. Der Wasserfall hat eine Höhe von 66 m und sieht von unten schon noch imposant aus.

Wir nahmen den nächsten Teil unserer Route in Angriff und entschieden uns beim nächsten Unterstand, die Mittagspause zu machen. Und siehe da es gab so einen. Zwar klein – es verirren sich wohl auch Schafe in diesen – aber wir konnten windgeschützt unsere Mittagessen einnehmen.

Nach weiter abgestempelten Kilometern wollte Silvan in ein Café, dass auf der linken Seite ca. 1 km weg von der Strasse lag. Wie wir ankamen, rannte ein junger Herr aus dem Hause und meldete, dass seit 2 Std. kein elektrischer Strom vorhanden sei und darum keine warmen Sachen verkauft werden können. Wir gingen trotzdem ins Café und begnügten uns mit Fanta und Schokoladenkuchen. Hier werden auch Zimmer vermietet und Silvan meinte, wir könnten hier übernachten. Seine linken Finger waren durch die Kälte und Nässe langsam kraftlos geworden, so dass ihm das Schalten mit dieser Hand schwer fiel. Unsere Frage nach einem freien Zimmer bei der Serviceangestellten hat diese negativ beantworten. Sie seien ausgebucht. Wir konsultierten unsere Unterlagen, denn auf eine Nacht im Zelt war uns nicht zu Mute. Der Anruf bei der Jugendherberge im 17 km entfernten Skógar, an unserem geplanten Zielort, fiel auch negativ aus.

Silvan hat beim Anfahren gesehen, dass nach ca. 500 m auch Betten zu haben sind. Wir fuhren diesen Bauernhof an und siehe da, wir hatten Glück. Wir können im Schlafsack in einem Massenschlag gerade oberhalb einer Reithalle unsere nächste Nacht verbringen. Sanitäre Installationen sind natürlich auch vorhanden. Es hat auch ein Küche, wo wir unser Abendessen kochen können, d.h. wenn wieder Strom da ist.

Das Gut heisst Skálakot, hat 150 Pferde und bietet mit diesen eine Vielzahl von Aktivitäten an. Von der Reitschule bis ein- oder mehrtägigen Reitausflügen in alle möglichen Gebiete Islands ist alles auf dem Programm. Zur Zeit sind einige junge Mädchen und eine Deutsche Familie mit uns hier einquartiert.

Übrigens wir befinden uns am Fusse des seit 2010 bekanntesten Vulkan Islands, dem unaussprechlichem Eyjafjallajökull. Leider können wir ihn aufgrund des Regens nicht sehen. Vielleicht schenkt uns der Wettergott morgen noch einen Blick hinauf zum Gipfel.

Der Strom ist dann wieder zurückgekommen und wir konnten doch noch unser Abendessen zubereiten.

6. Tag – Der Wind hat gesiegt

Donnerstag, August 8th, 2013

Punkt 7 Uhr wurde der Speisesaal für das Frühstück geöffnet. Eine ganze Gruppe Arbeiter, die hier übernachteten, stürmten das Buffet. Wir konnten unser Müesli sowie Brot und Beilagen gemütlich geniessen. Wir machten uns Sandwichs für die Mittagspause bereit. Silvan füllte die Thermosflasche mit heissem Tee. Draussen sah das Wetter alles andere als einladend aus. Es regnete leicht, war kalt und es blies ein starker Wind. Aus welcher Richtung? Natürlich aus der, in die wir fahren mussten.

Von Hálendismiðstöðin Hrauneyjum ging es mit kräftigem Tritt unserem heutigen Ziel entgegen. Bei jedem kleinsten Aufstieg war der Widerstand so gross, dass wir in den kleinsten Gängen, im Schritttempo fahren mussten. Alfons musste schon das Fahrrad schieben. Der Wind war unerbärmlich und machte die Fahrt zur Tortur. Nach einer Stunde hatten wir erst 9 km zurückgelegt. Bis dahin fuhren wir auf Asphalt. Die unbefestigte Strasse hätte in einigen Kilometern begonnen. Alfons hatte genug vom Gegenwind und machte den Vorschlag, die Übung hier abzubrechen und umzukehren. Wir fuhren zurück nach Hálendismiðstöðin Hrauneyjum und erlebten die Wucht des Windes mit der positiven Auswirkung. Wir rasten nur so über die Strasse mit der Spitzengeschwindigkeit von 72.8 km/h. Im Highlandcenter Hrauneyjar machten wir Halt und besprachen das weitere Vorgehen. Die Wetterprognosen sehen für die nächsten Tage ähnlich aus. Wir entschieden uns, nach Hella zu fahren und von dort aus interessante Orte zu besuchen. Wir werden sehen, ob wir per Bus nach Norden kommen, um den Rest der geplanten Route doch noch geniessen zu können.

Nach Hella fuhren wir die Strasse 26 und konnten so ca. 25 km Schotterpiste erleben. Die Fahrbahn besteht aus vulkanischem Schotter. Da auf dieser Strasse viele Offroader unterwegs sind, hat sie die Form eines Wellbleches, das quer zur Fahrrichtung liegt, angenommen. Wir wurden so richtig durchgeschüttelt und unser Material aufs Höchste strapaziert. Bei jedem Vorbeifahren eines Autos zog dieses eine riesige braune Staubwolke hinter sich her und der Wind verfrachtete diese genau auf unsere Seite.

Dafür wurde wir mit einer wunderschönen Vulkanlandschaft beglückt. Wir kamen uns vor wie in einer anderen Welt oder auf dem Mond. Neben der Fahrpiste lagen feinkörnige Lavasteine und immer wieder erhoben sich grössere Steingebilde und dies vor der Kulisse mächtiger freistehender Berge.

Ab dem Moment wo die 26 wieder Asphaltbelag aufwies, änderte sich auch das Landschaftsbild. Es wurde immer grüner und auf den riesigen Feldern weideten vereinzelt Schafe. Auch an grossen Bauernbetriebe mit Pferdezucht sind wir vorbeigefahren. Auf den frisch geernteten Feldern lagen Unmengen weiss verpackter Siloballen.

Bis wir auf die Strasse 1 einbiegen mussten, kamen wir dank Rückenwind zügig voran. Die letzten 7  km der heutigen 103 km Etappe musste wieder härter gearbeitet werden. Wir fuhren diese gegen den Wind.

5. Tag – Vom satten Grün in die karge Vulkanlandschaft

Mittwoch, August 7th, 2013

Heute waren wir alleine als Gäste am Frühstück. Die Gastgeberin hat für uns ein schmackhaftes Buffet vorbereitet. Auf unsere Frage, ob wir mit dem vorrätigen Brot Sandwichs zum Mitnehmen machen dürfen, wollte sie uns mit noch mehr als bereits vorhanden beschenken. Sie gab uns kleine Plastiksäcke, um die Esswaren gut verpacken zu können. Als Dank haben wir dies im Gästebuch erwähnt. Dieses Guesthouse können wir jederzeit weiter empfehlen.

Ab der Ausfahrt von Reykholt befanden wir uns in landwirtschaftlich genutztem Gebiet. Wir sahen wiederum unzählig viele Pferde weiden. Wenn die Strasse grosse Weiden durchschneidet, sind extra für die weidenden Tier Durchgänge in Form von halbrunden Tunnels erstellt worden. Den Isländer sind ihre Pferde einiges wert! Auch vereinzelt Kühe trafen wir an. Wir fuhren auch an Gemüseplantagen vorbei. Nach ca. 20 km Fahrt machte die Strasse eine Spitzkehre und von nun an konnten wir den starken Wind so voll geniessen. Wir kamen entsprechen rasch voran. Schon bald wechselte das grüne Bild über in ein braun schwarzes bestückt mit grossen Felsbrocken und schwarzer kleiner Lavasteinen. Bei einem Fotohalt fuhr ein Auto an uns vorbei. Der Fahrer bremste ab und legte den Rückwärtsgang ein, um uns wieder zu begrüssen. Es war der Schweizer von vorgestern, der nun alleine unterwegs ist. Er erwähnte, dass er eigentlich für heute ein Flug gebucht habe, um die Gletscherflüsse zu fotografieren. Da aber das Wetter nicht optimal war liess er davon ab.

Entlang der Flüsse fuhren wir weiter. Schon bald sahen wir eine Passstrasse. Der Aufstieg war kurz aber heftig. Die Passhöhe liegt auf rund 300 m.ü.M. und wir befanden uns dann auf einem Hochplateau. Auf diesem wird einerseits mit Windenergie und andererseits mit Wasserkraft Strom produziert. In der Ferne haben wir ausserdem Hekla entdeckt. Dies ist ein immer noch aktiver Vulkan, bei welchem eine Eruption überfällig wäre. Leider – oder doch zum Glück – ersparte er sich das auch für heute. Ihm sind schon einige Lebewesen zum Opfer gefallen.

Die Strasse führte weiter in dieser Einöde. Links und rechts der Strasse meist nur braun mit einzelnen Steinen. Zum Teil schienen die kleinen Kieselsteine goldig zu glänzen. Mit der Kamera liess sich dies nicht festhalten. Das Licht war zu schlecht dafür.

Die letzten 5 km mussten wir noch einmal gegen den Wind ankämpfen. Wir erreichten schliesslich Hálendismiðstöðin Hrauneyjum (Highlandcenter Hrauneyjar). Es bietet Platz für über 200 Personen. Darunter viele Wanderer, die von hier in alle Richtungen weiterziehen können. Für uns wird es morgen auf der F26 der Sprengisandur weiter nordwärts gehen. Uns stehen 150 km unbefestigte Strasse bevor.

4. Tag – Geysir und Gullfoss

Dienstag, August 6th, 2013

Bei kühlen Temperaturen und stahlblauem Himmel – Wind, wir wollen uns nicht wiederholen – starteten wir den heutigen Ausflug. Als erstes Ziel peilten wir Geysir an. Die Landschaft ist sehr grün und mit Flüssen durchzogen. Auf den Weiden sehen wir sehr viele Pferde, die einen riesigen Auslauf haben. Die Strasse schlängelt sich in grossen Kurven durch die Gegend und geht immer wieder hoch und runter. Den höchsten Punkt erreichen wir bei 210 m.ü.M.

Zu unserem Glück, wir waren recht früh dran, waren beim Eintreffen in Geysir noch nicht so viele Touristen vor Ort. Erst als wir wieder abfuhren, kamen die ersten vollbeladenen Busse. So konnten wir die Natur mit ihrem Spektakel voll geniessen. An einem Berghang brodelt aus verschiedenen kleineren Öffnungen heisses Wasser. Gemäss Warnhinweisen sollen da Temperaturen zwischen 80°C und 100°C herrschen. Aus einem grossen Loch schiesst das heisse Wasser alle 5-10 Minuten mit riesigem Druck in die Höhe. Die Fontäne kann bis zu 30 m erreichen. Es ist ein packendes Naturereignis. Dementsprechend sind auch die Besucher gespannt auf das nächste Hochschiessen des heissen Wassers. Wir hatten das Glück dieses Spektakel in Bildern, die unten angefügt sind, festzuhalten.

Danach fuhren wir an den Wasserfall Gullfoss in ca. 10 km Entfernung. Auch dieser Teil Natur ist sehr ergreifend. In einer ganz flachen Gegend hat das Wasser den Weg über eine Felsklippe hinunter in einen breiten Erdspalt gefunden. Durch die grosse Menge Wasser, der immer wieder herrschende Wind und die überwundene Fallhöhe entsteht eine Gischt, die im Sonnenlicht fantastisch wirkt.

Den Rückweg machten wir auf Silvans Wunsch über Naturstrassen. Der erste Teil führte über eine heftige Naturstrasse auf der wir richtig durchgeschüttelt wurden. Danach folgte eine trockene Lehmstrasse mit vielen Schlaglöchern. Da galt es aufmerksam zu fahren und ihnen auszuweichen. Unser Material wurde so richtig auf die Probe gestellt. Als Belohnung für die Tortur trafen wir auf diesem Weg auf zwei Gruppen Reitern. Bei der ersten Gruppe waren etwa 8 Reiter dabei und dann noch unzählige Pferde die sie vor sich hin trieben. Bald darauf traf dann auch schon die zweite Gruppe auf uns. Da waren etwa 20 Reiter gemeinsam unterwegs. Die hatten aber nur die Pferde unter ihren Sätteln dabei.

Heute übernachten wir wieder in Reykholt. Morgen geht die Reise dann weiter Richtung Highlands. Vielleicht ist dort die Internet-Verbindung nicht mehr so gut und wir können uns nicht mehr per Blog melden. Die Erlebnisse werden wir aber sicher so bald als möglich nachreichen.

3. Tag – Von Hjarðarból nach Reykholt ein Kampf gegen den Wind

Montag, August 5th, 2013

Nach dem ausgiebigen Frühstück sattelten wir die Fahrräder und machten uns auf den Weg nach Reykholt. Wegen den starken Winden und den Unterkunftsmöglichkeiten haben wir die heutige Etappe angepasst. Wir haben in Reykholt für zwei Nächte ein Zimmer gebucht und werden von dort aus in einer Tagestour Geysir und Gullfoss besuchen.

Unser Weg führte heute durch eine eine karge, von Vulkanen geprägte Gegend. Die Landschaft ist sehr flach mit vereinzelten Bergen an denen die Wolken hängen und damit für ein malerisches Bild sorgen. Allmählich wechselte der braune mit Moos bedeckte Boden über in grüne Flächen, auf welchen überall Pferde weiden.

Auf der Strecke machten wir Halt bei Kerið einer Touristenattraktion. Wir bestiegen zu Fuss die Hügel welche sich ringförmig um die Vulkankrater auftürmen. Ein Krater beherbergt sogar einen See. Die verschiedenen vulkanischen Gesteine zeigen sich in allen möglichen Farben. Die Steine sind relativ leicht, da sie mit diversen Poren durchzogen sind.

An einem nächsten Aussichtspunkt machten wir Halt, um uns von den Strapazen – gegen den Wind pedalen ist anstrengend – zu erholen und ein paar Isländische Pferde zu fotografieren. Während wir Fotos schossen kam ein Paar auf uns zu und fragte, ob wir die wilden Schweizer wären. Erkennt hatten sie uns, weil wir auf unseren Lenkertaschen je eine Schweizer Fahne befestigt haben. Wir plauderten eine Weile über dies und jenes. Sie sind mit einem Auto unterwegs, in welchem sie auch übernachten.

Der Wind blies heute, wie kann es anders sein, leicht seitlich von vorne. Obwohl die Strasse eben war, hatten wir das Gefühl die Furka hoch zu fahren.

2. Tag – 92km bei ständigem Seitenwind

Sonntag, August 4th, 2013

Am ersten Tag auf dem Velo wurde uns auch sogleich die eine Seite des Isländischen Wetters präsentiert. Während dem ganzen Tag fuhren wir in Begleitung des Windes. Mit 40 km/h soll er laut Wetterbericht geblasen haben und kam meist aus der selben Himmelsrichtung – von vorne links :-) .

Zum Glück gibt es auf den Hauptstrassen einen 2-3 Meter breiten Seitenstreifen, den wir in der vollen Breite brauchen konnten.

Die Tagesetappe führte uns zuerst entlang der Küste in Richtung Reykjavík. In einem Vorort mit Namen Hafnarfjörður machten wir unseren ersten Halt. Dort tranken wir etwas Warmes. Danach suchten wir ein Supermarkt, der auch Sonntags offen hatte. Erschwerend kam noch dazu, dass in Island morgen ein Feiertag ist und gewisse Geschäfte bereits heute die Tore geschlossen haben.

Wir wurden aber in diesem Dorf fündig und konnten uns mit Lebensmitteln eindecken.

Bald darauf bogen wir rechts ab auf die Route 1, die Ring Road, welche um die ganze Insel herum führt. Dies ist eine gut ausgebaute Strasse mit meist zwei Spuren in beiden Richtungen. Heute war viel los auf dieser Strecke. Halb Reykjavík scheint ins Landesinnere zu fahren, um den Feiertag von morgen zu geniessen. Mit ihren teils schon fast überdimensionierten 4×4-Vehikel blochen sie über die Strassen. Uns machte dies eigentlich wenig aus. Denn wie eingangs erwähnt hatten wir mit dem Wind zu kämpfen.

Die Landschaft ist sehr karg gestaltet. Es gibt fast keine Bäume, die den Wind aufhalten könnten. Dafür gibt es umso mehr Moos in einem schwefligen Gelb. Dies kommt natürlich auch nicht von ungefähr. Wir konnten die faulen Eier sogar riechen, die die Isländer irgendwo im Boden vergraben haben.

Gelandet sind wir schliesslich im Guesthouse Hjarðarból. Dies ist ein Familienbetrieb, welcher wahrscheinlich zum nahegelegenen Bauernhof gehört.